| |
Berlin 2004
AVIVA-Berlin: Amélie, ist es ein besonderes Gefühl für Sie, wieder in
Berlin zu sein?
Amélie Mauresmo: Ja, natürlich. Ich bin sehr froh, wieder in Berlin zu
sein, hier, wo für mich vor sechs Jahren sozusagen alles begonnen hat.
Und, ich 2001 ja auch gewonnen habe. Eigentlich lief es hier immer
sehr gut für mich, und es ist schön, wieder in Berlin zu sein.
AVIVA-Berlin: Unabhängig vom Turnier, was gefällt Ihnen an Berlin?
Haben Sie Zeit für ein bisschen Sightseeing?
Amélie Mauresmo: Nein, leider nicht wirklich. Meistens sieht man
während der Turniere nicht viel von den Städten. Aber ich gehe abends
gerne Essen, und da kenne ich hier schon ein paar nette Restaurants.
Was mir an Berlin auch sehr gefällt, ist, dass die Stadt so grün ist.
Es gibt viele Parks, in denen ich dann gerne mal Joggen gehe.
AVIVA-Berlin: Was bekommt man als Spielerin eigentlich vom Publikum
mit? Registrieren Sie da überhaupt Unterschiede in den verschiedenen
Städten?
Amélie Mauresmo: Ja, natürlich! Es ist immer angenehm, wieder in eine
Stadt zu kommen, von der man weiß, dass das Publikum einen dort
unterstützt. Ich habe da ein paar Orte, in denen ich mich sehr wohl
fühle und in die ich gerne zurückkehre. Montreal gehört zum Beispiel
dazu, und natürlich Berlin.
AVIVA-Berlin: Im letzten Jahr haben Sie das französische FedCup-Team
zum Titelgewinn geführt. Werden Sie Frankreich in diesem Sommer auch
bei den Olympischen Spielen in Athen vertreten?
Amélie Mauresmo: Ja, im Einzel auf jeden Fall! Und wenn wir ein
Doppelteam stellen, würde ich da natürlich auch gerne spielen. Aber
bis dahin ist ja noch Zeit und vorher stehen viele Turniere an. Ich
versuche, alles nacheinander, Schritt für Schritt, anzugehen.
AVIVA-Berlin: In diesen Tagen sind Bomben in Athen explodiert.
Beeinflusst Sie das?
Amélie Mauresmo: Nein. Ich weiß, dass es einige Drohungen gegen die
Olympischen Spiele gibt, aber ich glaube, es ist keine Lösung, deshalb
nicht nach Athen zu fahren. Wenn einem sein Heimatland erlaubt, an
Olympia teilzunehmen, sollte man das meiner Meinung nach auch tun.
AVIVA-Berlin: Erwecken solche Ereignisse trotzdem Ängste bei Ihnen?
Amélie Mauresmo: Nein, eigentlich nicht.
AVIVA-Berlin: Die German Open sind ja auch eine wichtige Vorbereitung
auf das Grand Slam-Turnier in Roland Garros. Was erwarten Sie sich
dieses Jahr in Paris?
Amélie Mauresmo: Bisher konnte ich die Erwartungen dort nie erfüllen
AVIVA-Berlin: Ihre eigenen Erwartungen, aber natürlich auch die
Erwartungen Ihrer Landsleute. Hilft Ihnen das heimische Publikum eher,
oder setzt es Sie noch mehr unter Druck?
Amélie Mauresmo: Sowohl als auch. Aber ich glaube, je mehr Erfahrung
ich sammele, je mehr ich mich daran gewöhne, umso mehr empfinde ich
das Publikum als Hilfe. Ich muss einfach abwarten, wie ich dieses Jahr
bei den French Open zurechtkomme. Mal sehen, jedes Jahr bedeutet eine
neue Erfahrung, auch diesmal. Ich hatte ja in dieser Saison eine ganz
andere Vorbereitung.
AVIVA-Berlin: Vor allem dadurch, dass Sie seit Ihrer Rückenverletzung
bei den Australian Open im Januar lediglich sehr wenige Turniere
spielen konnten.
Amélie Mauresmo: Ja, ich mußte lange pausieren und konnte erst im
April 2004 mein Comeback feiern.
AVIVA-Berlin: Was wäre für Sie persönlich das größte Ziel? Bei den
Olympischen Spielen zu siegen, mal die Nummer 1 der Weltrangliste zu
sein, oder doch, in Roland Garros zu triumphieren?
Amélie Mauresmo: Bei den French Open - zu hause - zu gewinnen, das
wäre eindeutig das Größte. Nummer 1 zu sein, na ja, ich glaube, das
würde dann sowieso beinahe automatisch kommen, wenn ich einen Grand
Slam gewonnen hätte.
AVIVA-Berlin: Haben Sie manchmal eine Vorstellung davon, wie es dann
wäre, wenn Sie tatsächlich bei den French Open gewinnen würden?
Amélie Mauresmo: Ja, klar geht mir das manchmal durch den Kopf. Aber
so eine konkrete Vorstellung habe ich eigentlich nicht. Mal gucken
AVIVA-Berlin: Wer sind für Sie die Favoritinnen auf den Titel in
Paris?
Amélie Mauresmo: Ich denke, vier, fünf Spielerinnen haben die Chance
auf den Sieg. Die Williams-Schwestern, Justine Henin-Hardenne, Lindsay
Davenport - und ich.
AVIVA-Berlin: Im Moment scheint es vor allem darum zu gehen, welche
gesund ist?
Amélie Mauresmo: Ja, natürlich. Ich kann nur immer wieder sagen, die
Tour wird immer härter, das Level, auf dem wir spielen wird höher und
höher. Wir müssen viel tun, um diese Leistungen halten zu können.
Manchmal verlangen wir dann zu viel von unserem Körper, bis er
streikt. Nicht nur ich hatte in der Vergangenheit dadurch mit
Verletzungen zu kämpfen, auch viele andere Spielerinnen. Aber wir
müssen das beste daraus machen.
AVIVA-Berlin: Glauben Sie, die Athletinnen müssen zu viel spielen?
Liegt es daran?
Amélie Mauresmo: Vielleicht. Wir haben so viele Turniere über das Jahr
verteilt, und möglicherweise fällen wir da manchmal die falschen
Entscheidungen und treten zu oft an, weil wir einfach zu gerne spielen
wollen. Ich würde mir wünschen, dass die Saison etwas früher aufhört,
so dass wir im Winter ein bisschen länger Pause hätten. Aber das
müsste man mit der WTA (Anm.: Women's Tennis Association) diskutieren.
AVIVA-Berlin: Können Sie denn persönlich etwas dafür tun, erneute
Verletzungen besser vorzubeugen?
Amélie Mauresmo: Na ja, ich arbeite jetzt seit ein paar Wochen
speziell mit einem Physiotherapeuten zusammen. Außerdem habe ich
angefangen, ein bisschen Yoga auszuprobieren. Mal sehen, es kann sich
natürlich nicht gleich von heute auf morgen auswirken, das braucht
Zeit.
AVIVA-Berlin: Yoga hilft ja nicht nur physisch, sondern auch
psychisch.
Amélie Mauresmo: Ja, das stimmt. Es ist einfach mal eine andere
Herangehensweise, die viel mit Konzentration und Geduld zu tun hat.
AVIVA-Berlin: Sind Sie denn eine geduldige Person?
Amélie Mauresmo: Nein, definitiv nicht (lacht).
AVIVA-Berlin: Da verwundert es ja auch nicht, dass Sie gerne schnelle
Autos und Motorräder fahren. Was machen Sie ansonsten in Ihrer
Freizeit, sofern Sie mal welche haben?
Amélie Mauresmo: Ja, viel Zeit ist leider wirklich nicht. Aber wenn
ich mal Freizeit habe, verbringe ich sie natürlich am liebsten mit
meinen Freunden und versuche, mich mit so vielen Leuten zu treffen,
wie möglich.
AVIVA-Berlin: Und was hören Sie für Musik?
Amélie Mauresmo: Dido oder Robbie Williams zum Beispiel.
AVIVA-Berlin: Singen Sie auch selbst?
Amélie Mauresmo: Ja - unter der Dusche, und in meinem Auto (lacht).
AVIVA-Berlin: Ihr Landsmann Yannick Noah hat nach dem Ende seiner
Tenniskarriere eine erfolgreiche Musiklaufbahn eingeschlagen. Wäre das
vielleicht auch was für Sie?
Amélie Mauresmo: Stimmt, er ist wirklich sehr erfolgreich mit seiner
Musik, aber ich glaube nicht, dass das auch etwas für mich wäre
(lacht).
AVIVA-Berlin: Sie wohnen nun schon seit ungefähr dreieinhalb Jahren in
Genf. Was hat Sie dazu bewogen, in die Schweiz zu ziehen?
Amélie Mauresmo: Zum einen hatte sich mein Privatleben zu dieser Zeit
gerade ein bisschen verändert, da dachte ich, es wäre vielleicht gar
nicht so schlecht, ein bisschen Abstand zu finden (lacht). Dass es
mich in die Schweiz gezogen hat, hing vor allem damit zusammen, dass
viele andere französische (Ex-)SpielerInnen dort wohnen, wie zum
Beispiel Guy Forget - und weniger mit den geringen Steuern, wie man
vielleicht vermuten könnte. Es ist einfach wunderbar still dort, und
ich genieße die Ruhe sehr, gerade, wenn man in Frankreich doch ein
ganz klein bisschen bekannt ist (lacht).
|
|